Aus der Geschichte des Emilienheims

Gründung als Selbsthilfeorganisation

Den Namen „Emilienheim“ trägt das Haus zur Erinnerung an die Mutter des grosszügigen Stifters, Herrn Theodor Trog, wohnhaft in Zug. Mit einer ersten Schenkung von Fr. 250000.–, im Jahre 1926, legte er das finanzielle Fundament für den späteren Bau. Der Stifter wollte stets ungenannt bleiben. Erst nach seinem Tod, im Jahre 1944, lüftete sich allmählich das Geheimnis. Seine grosszügige Schenkung erhöhte sich bis Ende 1928 (inklusive Zins) auf Fr. 369464.07.

Die Statuten des Vereins „Emilienheim für alte Blinde, Zürich“, genehmigt an der Gründerversammlung vom 4. Dezember 1926, sind im Original vorhanden. Treibende Kraft und geistiger Vater war Eduard Rüetsch-Keller in Zürich. Er hatte die Idee und den Wunsch nach einem Blindenheim. Ihm gelang es, die Geldquelle zu finden und sie anzubohren. Er war der eigentliche Organisator und Präsident der Baukommission. Dr. A. v. Schulthess wird anschliessend zum ersten Präsidenten des Vereins gewählt.

Die Zweckbestimmung lautet: „Älteren blinden und sehschwachen Personen, beiderlei Geschlechts, namentlich auch unbemittelten, würdige Unterkunft und Verpflegung zu bieten. Das Heim ist interkonfessionell und wird in einem gesunden, christlichen Geist geführt“.

Bei der Gründung des Vereins „Emilienheim für alte Blinde“ in Zürich trugen Kanton und Stadt Zürich je Fr. 10000.-, die Schweizerische Stiftung „Für das Alter“ Fr. 5000.- und die kantonale Kommission „Für das Alter“ Fr. 3000.- als so genannte Gründungsbeiträge bei. Im Übrigen bezog und bezieht das Emilienheim bis heute keinerlei Unterstützung oder Subventionen der öffentlichen Hand.

Unter dem Datum des 16. Februar 1927 ist im Grundbuch der Kauf des Bodens eingetragen. Übertragen wurden total 7239 m2, alles Wiesland; die ganze Parzelle kostete Fr. 27239.–; an „Top-Lage“ wie wir heute sagen. Als Verkäufer sind erwähnt: Jakob Streuli-Stutz, Gebr. Hunziker, Adliswil und Albert Straub-Masüger. Am 7. Juni 1927 erteilte die Gemeinde Kilchberg die Bewilligung zum Bau. Der lapidare und kurze Text, aus heutiger Sicht kann man nur staunen, lautet: „Für die bewohnten Räume ist eine lichte Höhe von 2.50 m inne zu halten“. Eine Baubewilligung, die mit einem einzigen Satz auskommt, grenzt für uns, im Jahr 2008, an ein Wunder.

Die Einladung zur Eröffnungsfeier des Emilienheims vom 4. Juli 1928 liegt uns im Original vor. Sie strahlt berechtigten Stolz und eine gewisse Vornehmheit aus. Präsent waren u.a. Vertreter der Behörden und verschiedener Fürsorge Organisationen.

Umwandlung des Vereins in das Rechtskleid der Stiftung

Im September 1940, mitten im 2. Weltkrieg, wird der Verein zur Stiftung nach Art. 80ff ZGB umgewandelt. Übergang aller Aktiven, Passiven gab es keine. Damit wurde das Emilienheim der gesetzlichen Aufsicht durch die Direktion des Kantons Zürich unterstellt.

Die Gründung des Vereins erfolgte in Zürich, und wie vermerkt, in aller Stille. Die vorhandenen Unterlagen lassen den Schluss zu, dass das offizielle Kilchberg nicht beigezogen wurde. Wer mit der oben erwähnten Einladung zur Eröffnung eingeladen wurde, ist leider nicht ersichtlich. Die detaillierte Routen-Angabe aus der Stadt Zürich über Wollishofen bis Kilchberg lässt wiederum den Schluss zu, dass in erster Linie Zürcher Publikum dabei war.

Die ersten Jahresberichte erwähnen auch keine Vertreter des Gemeinderates oder der Behörden im Stiftungsrat. Dies deutet auf die Absicht hin, selbständig und unabhängig bleiben zu wollen. Dies könnte wohl gleichermassen auf die Finanzen zutreffen. Eine Haltung, die bis heute gültig ist.

Obschon die ersten Jahre in vielerlei Beziehung harte Jahre gewesen sein müssen, hat man gelernt die finanziellen Mittel gezielt und zwangsläufig gestaffelt, einzusetzen. Man streckte sich nach der sprichwörtlichen Decke. Grosse Sprünge waren somit nicht erlaubt gewesen. Das hat sicher dazu geführt, dass das Emilienheim, ein sozusagen wenig bekanntes Dasein lebte, zusätzlich bedingt durch seine periphere Lage, weg vom Zentrum und der Hauptstrasse. So entwickelte sich das Emilienheim bescheiden, anspruchslos und still; es war nur einem engeren Kreis von Gönnern und Freunden näher bekannt. Dies ist mit einer Aussage belegt, die zum 50. Jubiläum in der Presse erschien und wie folgt lautete: „das Emilienheim, von dessen Existenz viele Leute in der Umgebung und sogar von Kilchberg selbst, überhaupt keine Ahnung hatten“.

Von Anfang an herrschte ein natürlicher, christlicher Geist; interkantonal und interkonfessionell zugänglich zu sein, wurde gelebt und öffnete den Horizont.

Das Emilienheim ist und bleibt aber ein positives Aktivum im Inventar der Sozialwerke Kilchbergs und ist ein Gewinn für den Standort der Gemeinde. Insbesondere beim Sozialamt ist es bekannt und ein fester Begriff. Viele eingesessene, echte Kilchbergerinnen und Kilchberger kennen es aus eigener Erfahrung, sei es, weil Angehörige dort weilten oder aus freiwilliger sozialer Tätigkeit. Diese bringt viel Abwechslung, geistige und körperliche Unterhaltung und sonstige Aktivitäten wie Vorlesen, Spielen, Bibellesen, Lösen von Kreuzworträtseln. Sehr wichtig ist, dass damit auch viel menschliche Wärme ins Haus kommt.

Dazu zählt auch die regelmässige seelsorgerische Betreuung, individuell oder in der Gruppe, durch das jeweilige Pfarr-Team beider Konfessionen Kilchbergs. Später wird der Umfang sogar in einem Grundsatzpapier festgelegt.

Einen enormen Stellenwert besass der jährlich durchgeführte Ausflug mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. So ist er in fast allen Jahresberichten erwähnt und im Detail geschildert, insbesondere das jährlich neu gewählte Ziel. Diese Tradition hat sich übrigens bis heute erhalten. Im Reigen der jährlichen Anlässe ist er allerdings mittlerweile einer unter vielen anderen.

Im Laufe der letzten 10 bis 15 Jahre war der Stiftungsrat aktiv bestrebt, das Emilienheim gezielt in den Mittelpunkt zu rücken und weitere Kreise der Bevölkerung mit einzubeziehen. So haben viele Kontakte zu positiven und nachhaltigen Beziehungen geführt.

Die Erarbeitung und Realisierung eines aktuellen Altersleitbilds für Kilchberg, eine richtungsweisende Planung für zukünftige soziale Aufgaben, bezieht das Emilienheim zurecht mit ein.

Das Emilienheim als soziale Institution

Das Emilienheim ist als soziale Selbsthilfeorganisation gegründet worden und das zu einer Zeit, als das Sozialwesen heutiger Ausprägung erst am Anfang der Entwicklung stand. In dieser vor IV- und AHV-Zeit waren Organisationen wie das Emilienheim selten und jede weitere Gründung half Not, Einsamkeit und fehlende Betreuung zu überwinden.

Der soziale Gedanke ist bis heute eines der Leitmotive des Emilienheims geblieben.

Wir finden ihn im sorgfältigen Umgang mit den finanziellen Mitteln und den fairen Pensionstaxen, wie auch im grossen Angebot von Anlässen aller Art. Hier profitieren unsere Pensionäre und wir Mitarbeitenden ebenso von vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die uns vielfältig und kostenlos unterstützen.